Gesuchter „G20-Chaot“ ist offenkundig rechter Vlogger

Mit Videos und Fotos sucht die Hamburger Polizei nach 104 unbekannten Tatverdächtigen, die in der Öffentlichkeit als „G20-Chaoten“ benannt werden. Bei einem der Gesuchten handelt es sich offenkundig um einen rechten Videoblogger, der seine Aufnahmen aus den geplünderten Läden bereits im Juli veröffentlicht hatte.

Das Format heißt „Orwellzeit“ und ist eines von zahlreichen Netzprojekten, die sich im Dunstkreis von Muslimfeindlichkeit und Verschwörungslegenden bewegen. Er mache „politisch unkorrekte“ Berichte zum Zeitgeschehen, heißt es, Deutschland müsse gerettet werden; die da oben lügen; die Linken sind der Untergang. Alles eher Mainstream im Jahr 2017.

Bemerkenswert ist allerdings ein Bericht des Videobloggers vom G20-Gipfel in Hamburg, von wo er „exklusives“ Material mitgebracht habe. Er sei selbst bei den Plünderungen vor Ort gewesen, berichtet der rechte Aktivist  in einem Video, das am 9. Juli 2017 hochgeladen wurde. Und tatsächlich war der Vlogger ganz offenkundig nicht nur vor Ort, sondern sogar in den geplünderten Filialen von Budni und Rewe im Schanzenviertel.

Screenshot aus dem Video von Orwellzeit, das die verwüsteten Geschäfte in der Schanze zeigt.

Monate später taucht der rechte Vlogger offenbar wieder auf – und zwar bei der Großfahndung der Polizei, die öffentlich mit Bilder nach unbekannten Tatverdächtigen sucht.

Auf Facebook veröffentlichte der Macher von „Orwellzeit“ Screenshots von Bildern, mit denen nach einem Mann in einem der geplünderten Läden fahndet wird. Der Journalist Lars Wienand berichtete darüber auf Twitter.

Dazu kommentierte „Orwellzeit“: „G20-Plünderungen: Wer kennt diesen Mann?“ Seine Facebook-Freunde verstehen die Andeutung und schreiben, der Mann käme ihnen irgendwie bekannt vor.

Screenshot von „Orwellzeit“ zu der G20-Fahndung

Dieser Facebook-Post, die Ähnlichkeit der Personen auf den Bildern, das Video vom G20-Gipfel in Hamburg legen den Schluss sehr nahe, dass es sich bei dem gesuchten „unbekannten Tatverdächtigen“ um einen rechten  Videoblogger handelt. Auf eine Anfrage dazu reagierte der Macher von „Orwellzeit“ bislang nicht.

Der Fall zeigt, welche Unwägbarkeiten eine solche massenhafte öffentliche Fahndung mit sich bringen kann. An den Plünderungen war er offenkundig nicht beteiligt, seine Anwesenheit hatte wohl andere Gründe. Hat er sich vielleicht strafbar gemacht? Man weiß es nicht.

Die Frage stellt sich, ob die Veröffentlichung des Polizei-Bildmaterials, das ihn als Plünderer darstellt, angemessen und vertretbar ist. Denn der rechte Aktivist hatte sich bereits vor Monaten damit gebrüstet, vor Ort gewesen zu sein – öffentlich mit exklusivem Videomaterial.

Siehe auch: G20-Fahndung, Hilfssheriffs und Männlichkeit

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