„Ex-Neonazi“ platzierte Sprengsatz auf der Veddel

Nach der Explosion eines Sprengsatzes am S-Bahnhof Veddel in Hamburg hat der zuständige Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Hamburg Haftbefehl gegen einen 51-Jährigen erlassen – unter anderem wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Das teilte die Polizei Hamburg mit. Der Mann soll früher als Neonazi bekannt gewesen sein.

Die Ermittler waren dem Mann durch die Auswertung des vorliegenden Videoüberwachungsmaterials auf die Spur gekommen. Ein bürgernaher Beamter erkannte den mutmaßlichen Täter anhand des Videomaterials in der Lauterbachstraße in Harburg – und nahm ihn vorläufig fest.

Bei dem Mann handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 51-jährigen Deutschen. Das Harburger Tageblatt und andere Medien berichteten, Stephan K. sei ein „ehemaliger Neonazi“ und verurteilter Totschläger. Er war demnach 1992 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er am Busbahnhof Buxtehude zusammen mit einem anderen Neonazi einen 53-Jährigen zusammengeschlagen hatte. Das Opfer, ein Kapitän, hatte gegenüber den Männern Hitler als „größten Verbrecher“ bezeichnet. Der heute 51-Jährige und sein Komplize hatten deshalb derart auf den Mann eingeprügelt, dass der drei Tage später seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlag.

In dem Bericht heißt es weiter, Stephan K. halte sich im Harburger Trinkermilieu auf. Der Polizei war der 51-Jährige zuletzt wegen Eigentumsdelikten bekannt. In der Neonaziszene spielt er nach Erkenntnissen der Polizei aktuell keine Rolle mehr. Zum Motiv machte der Mann keine Angaben. Auffällig ist aber: Die Veddel gehört zu den Hamburger Stadtteilen mit dem höchsten Anteil von Migranten: Rund 71 Prozent der Menschen hier haben eine Migrationsgeschichte. Da erscheint es eher unwahrscheinlich, dass ein wegen Totschlags verurteilter „Ex-Neonazi“ zufällig dieses Ziel ausgesucht haben soll.

Die Detonation war durch zwei Sprengsätze – umgangssprachlich als Polen-Böller bezeichnet – ausgelöst worden, die etwa 50 Gramm Schwarzpulver enthielten. Ein zugelassener Böller enthält etwa 2-3 Gramm. Berichte, nach denen der Sprengkörper Schrauben und spitze Metallgegenstände enthielt, wies die Polizei zurück. Einen terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler aus. Auf ein politisches Motiv gebe es keinen Hinweis.