Ist Trump verrückt? Braucht er einen Arzt, wie Spiegel Online diagnostiziert? Nein, er folgt einem klaren Kurs, den er immer wieder offenbart und den man auch benennen kann: Trump handelt und spricht faschistoid.

Er spreche direkt zu dem Volk, da die Medienvertreter nicht die Wahrheit berichteten und die wundervollen Menschen dieses Landes nicht mit dem nötigen Respekt behandelten. So führte es US-Präsident Donald Trump am 16. Februar im Weißen Haus aus.

Trump teilte erneut mächtig aus: Gegen die Demokraten, gegen die Wahlverliererin Hillary Clinton, gegen seinen Vorgänger Barack Obama, immer wieder gegen Journalisten – und gegen die Justiz.  Die Pressekonferenz war eine weitere Attacke in Trumps Feldzug gegen seine politischen Gegner und die demokratischen Institutionen.

Während er alle, die es wagen ihn zu kritisieren, erniedrigt und beleidigt, überhöht er schamlos seine eigenen Leistungen: Es habe wohl nie einen Präsidenten gegeben, der in so kurzer Zeit so viel geschafft habe.

Das Establishment zerstören

Trumps Leistungsbilanz wird sehr unterschiedlich beurteilt. Während der Großteil von politischer Öffentlichkeit fassungslos auf das Chaos schaut, das Trump anrichtet, zeigt sich der Multimilliardär selbst zufrieden. Unruhe stiften, provozieren, zerstören – das entspricht Trumps Agenda, und auch der Zielsetzung seines wichtigsten Beraters Steve Bannon, dem ehemaligen Chef von Breitbart-News.

Trump ist nicht einfach verrückt, er setzt das um, was er sich vorgenommen hat. Er entfacht durch seine willkürlichen Entscheidungen, durch seine Unberechenbarkeit einen permanenten Ausnahmezustand – und inszeniert sich gleichzeitig als starker Mann, der dieses Chaos beherrschen könne. Er setzt dabei auf geschlossene Grenzen, Abschiebungen, Investition ins Militär und breitbeiniges Auftreten auf diplomatischer und politischer Bühne. Für die oft hasenfüßigen Außenpolitiker der EU ein Albtraum.

Eine Mauer als Monument

Trump propagiert den Triumph der Tat, er will eine „great wall“ im Süden der USA bauen. Eine Art Monument, das seine Politik perfekt symbolisiert: Die USA unter Trump schotten sich ab und investieren in Beton. Die Konzerne der Neuen Medien, die weltweit technisch Standards setzen, wenden sich entsetzt ab. Trump will lieber schaffende stahlharte Bauarbeiter als verweichlichte liberale Hipster.

Und sein Feldzug richtet sich gegen Institutionen, die Verfassungsrechte sowie das System von „Check & balance“ garantieren sollen. „The court system has not made it easy for us“, sagte Trump. Richterschelte ist in demokratischen Staaten eigentlich verpönt, aber diese Standards gelten nicht für den neuen US-Präsidenten.

Das geknechtete Amerika…

Er zeichnet das Bild einer Nation, die angeblich am Boden liege – obgleich beispielsweise die Arbeitslosenquote bei unter fünf Prozent liegt. Er behauptet, fast alle anderen Staaten nutzten die USA aus – seit Jahrzehnten. Dies sei ein sehr harter Job für ihn, dies zu ändern. Der starke Mann opfert sich für sein Land, das von anderen geknechtet werde. Jeder, der anderes behaupte, sei ein Lügner oder verbreite „Fake News“. Dass er es mit Fakten und Zahlen nicht allzu genau nimmt, man denke nur an seine gestrige Behauptung, was die „Größe“ seines Wahlsieges angeht, wischt er einfach weg. Willkommen im postfaktischen Zeitalter.

Trump suspendiert die Vernunft, alles wird verhandelbar. Auch Fakten. Der Kern seiner Politik ist nicht Verhandlung oder Kompromissbereitschaft, sondern der Kampf, das Recht des Stärkeren. Auf der einen Seite steht er mit seinen aufrichtigen Verbündeten, die einen historischen Auftrag haben, auf der anderen Seite das verlogene System, die Journaille, die ausländischen Drogenbanden, der IS.

Historischer Kampf

All diese Teile zusammengenommen ergeben ein klares Bild: Dabei geht es nicht darum, was Trump ist, sondern was er tut und sagt. Trump äußert sich faschistoid. Schaut man sich gängige wissenschaftliche Faschismus-Definitionen an, wird ersichtlich: Seine Ausführungen erfüllen zahlreiche Kriterien, die typisch sind für faschistische Ideologien. Er inszeniert sich als Anführer einer Bewegung, die sich in einem historischen Kampf gegen das Establishment sieht. Er folgt dem Postulat der Postideologie, die sich der Praxis und nicht der Theorie verpflichtet fühlt. Kulturell hat das Milieu wenig zu bieten, da man Intellektuelle und Künstler verachtet, relativ wahllos orientiert man sich an Traditionen und inszeniert sich als tragische Helden für das Volk.

Aus Trumps Angriffen gegen Medien, Opposition und Richter spricht die Verachtung für Gewaltenteilung und demokratischen Diskurs. Stattdessen propagiert Trump den Mythos der Großartigkeit der Nation, die wiederhergestellt werden müsse – ohne zu benennen, welche historische Periode oder welche Werte er damit meint. Dazu kommt Trumps Sexismus, ein revolutionäres Selbstbild, Nationalismus und Populismus.

Der neue US-Präsident orchestriert via Twitter und mit seinen Pressekonferenzen die Weltöffentlichkeit. Für einen Narzisst sicherlich ein Traum. Der politische Nahkampf mit den verachteten Journalisten, die Abwehr der Kritik an seiner Person scheinen Trumps Treibstoff zu sein. Nächste Woche werde er einige großartige Dinge verkünden, teilte Trump gestern noch mit. „Wir“ werden eine große Rede halten, so Trump. Es steht der nächste Angriff bevor, Trump will die Demokratie sturmreif schießen. Nun muss sich zeigen, wie widerstandsfähig die Verfassung tatsächlich ist – und ob sie einen solchen Angriff von innen abwehren kann. Wer Trump einfach nur als „krank“ abtut, übersieht möglicherweise die Schlagkraft des Faschismus.

3 Kommentare zu „The fascist elephant in the room

  1. Dass die Journalistik beiderseits des Ozeans Trump abgrundtief hasst, ist ja nun wahrlich nichts neues. Wie hierbei eine objektive Berichterstattung rauskommen soll, erklären Sie mal bitte.
    Welche Faschismusdefinition legen Sie denn an? Dimitroff?
    Welchen Faschismus meinen Sie denn? Japanischen? Deutschen? Ukrainischen? Italienischen?
    Da ist so ferndiagnostisch und argumentativ unredlich, wie diese Psychiater.
    Guckrn Sie sich mal die Orginalaufzeichnung seines gestrigen Auftritts an. Und wie viele Minderheiten hinter ihm stehen.

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      1. 1) Zum Beispiel mal Bericht und Meinung trennen? Auf wertende Adjektive verzichten? Keine Gerüchte (neudeutsch fake news) wiedergeben?

        2) Ausgehend von http://www.kritiknetz.de/10-kommentare/unsortiertekommentare/623-die-14-kennzeichen-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco
        würde ich Trump lediglich eine Handvoll dieser Merkmale zuordnen.
        Mir ist auch nicht klar, inwieweit ein Isolationist Faschist sein kann. Und wenn, ob das dann nicht nur die Bürger des Landes etwas angeht. Zumal wenn sie alle bewaffnet sind. Im Gegensatz zu uns 😉

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