Die Unterwerfung findet statt – aber ganz anders, als von rechten Untergangspropheten vorhergesagt. Vielmehr setzen Teile der bürgerlichen Mitte die Demokratie aufs Spiel, indem sie faschistische Sprache als Sorgen oder ernstzunehmende Meinungsbeiträge veredeln, indem man rassistische Positionen nicht klar ausgrenzt – und indem man neurechten Aktivisten eine große Bühne bietet und sie zu Gesprächspartnern auf Augenhöhe mit Ministern macht.

In Magdeburg will sich Innenminister Holger Stahlknecht mit dem neurechten Aktivisten Götz Kubitschek auf die Theater-Bühne setzen und die Frage diskutieren: „Falsch abgebogen? – Rechtsruck in Sachsen-Anhalt und Europa“.

In der Vorankündigung zu der Veranstaltung am 19. Januar heißt es recht schmeichelhaft für Kubitschek und seine Mitstreiter:

„Die »Neue Rechte« hat wenig gemein mit der NPD und den sogenannten »Wutbürgern«. Vielmehr stellen sich die Institutionen der »Neuen Rechten« professionell und strategisch geschickt auf.“

Im Politischen Salon soll Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht Fragen zum Umgang mit der Neuen Rechten beantworten – dazu will man die Frage diskutieren, wie politisch „darf oder sollte“ das Theater sein? Die „Position der Kunst“ werde durch „die Leiterin der Akademie Darstellende Kunst Baden-Württemberg Prof. Dr. Elisabeth Schweeger vertreten“. Mit auf dem Podium sitze Götz Kubitschek.

Wohin diese Diskussion dann führen soll, bleibt angesichts des Ankündigungstextes weitestgehend unklar. Dort heißt es:

„Die Drastik der Forderungen und der Aktionen der »Neuen Rechten« zeigen, dass es nicht genügt, rechtes Gedankengut zu pauschalisieren, sondern dass es einer gezielten und kritischen Auseinandersetzung bedarf.“

Weil die Neue Rechte so drastisch ist, dürfe man also nicht pauschalisieren? Daraus ließe sich wohl der Merksatz ableiten: Je radikaler das Auftreten, umso größer die Chance, sich mit einem Minister auf eine große Theaterbühne setzen zu dürfen.

Ritterschlag für Kubitschek

Eine zentrale Figur der Neuen Rechten diskutiert also auf Augenhöhe mit einem Innenminister – für Kubitschek sicherlich ein Ritterschlag – und ein Meilenstein in der neurechten Strategie, sich langfristig als Stichwortgeber zu etablieren.

Die Ankündigung dürfte noch für reichlich Diskussion sorgen, der SPD-Politiker Burkhard Lischka reagierte bereits fassungslos auf die geplante Veranstaltung.

Die CDU in Sachsen-Anhalt verteidigte die Teilnahme Stahlknechts an der Diskussion mit Kubitschek hingegen als Beitrag zur Meinungsvielfalt, für die die Menschen 1989 auf die Straße gegangen seien.

4 Kommentare zu „Kubitschek auf Augenhöhe mit dem Innenminister

  1. Aha. Wenn die Anhänger der Neuen Rechten also Brandsätze werden und Menschenleben bedrohen , bedarf es einer gezielten und kritischen Auseinandersetzung. Was für eine krude Aussage.

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  2. Ich halte von diesem rassistischen und „mit den Ängsten der Bürger spielenden“ politischen Akteur (ob individuell sachlich begründbar oder emotional getrieben- wäre zu analysieren ) nichts,jedoch ist unsere Demokratie nur dann stark, wenn wir es schaffen, die Menschen über derartige „Wölfe im Schafspelz“ und ihre bewusst falsch dargestellten Hetztriaden aufzuklären und Sie mit sachlichen Fakten zu entlarven. Soll sich Herr Kubitscheck doch selbst demontieren – das hat die AFD ja auch schon geschafft!

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    1. @Thomas B.

      Kubitscheck muss nicht entlarvt werden. Ebenso wenig, wie Höcke, Petry, Elsässer, Bachmann, oder Schachtschneider.

      Die können ganz offen mit nationalsozialistischen Begriffen hantieren, oder den Tod und die Ausgrenzung von Menschen fordern. Was soll man da noch mit Fakten aufklären?

      Leider hab ich auch kein Patentrezept für den Umgang mit solchen Personen. Aber klar ist, dass sie beleidigt sind, wenn man ihnen keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Also genau das Gegenteil von dem, was Stahlknecht tun will.

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