Der pro-palästinensische Aktivist Martin Lejeune ist vielen, die sich mit dem Thema Nahost beschäftigen, sicherlich ein Begriff. Bei Lejeune kann man quasi live verfolgen, wie er sich in einem ideologischen Geflecht verheddert – und diese Irrungen und Wirrungen noch als mutige Erkenntnisse verkauft. Nun ist gekommen, was eigentlich schon abzusehen war: Lejeune zweifelt den Mord an sechs Millionen Juden an. Schuld an den Zweifeln: die „Zionisten“.

Wenn wirklich sechs Millionen Juden umgekommen sein sollten, dürfe er doch annehmen, „dass die, die das Leid erfahren haben sollen, etwas menschlicher umgehen mit den Palästinensern“. Das sehe er aber nicht. Diese Sätze äußert Martin Lejeune auf einem Video, das er am 29. November auf YouTube veröffentlicht und danach in sozialen Medien geteilt hat.

Weiter führt er aus: „Und wenn es so ist, wie es leider gerade geschieht, dass die Juden so unmenschlich sind zu den Palästinensern, dann müssen bei mir zumindest leider Zweifel entstehen, ob Juden wirklich so ein Unglück erlebt haben, weil sonst müssten sie sich wirklich mehr einfühlen.“ (im Video ab 8`10, zitiert nach Abschrift der Ruhrbarone, danke dafür!)

Selbstreferenzielles System

Lejeune dokumentiert mit seinen Aussagen, wie kurz der Weg vom Antizionismus und obsessiven Israel-Hass zu „Zweifeln am Holocaust“ ist. Besonders perfide daran: Der Antisemitismus funktioniert in einem geschlossenen und selbstreferenziellen System. Das heißt: Zunächst zimmert man sich eigene Wahrheiten zusammen („Die Juden“ gingen „unmenschlich“ mit den Palästinensern um, dazu die üblichen Schauergeschichten) – und baut darauf die Schlussfolgerung auf, die eigene Weltsicht sei  ein Indiz dafür, dass es den Holocaust in dieser Form wohl nicht gegeben habe. Der Jude hat demnach selbst schuld an den Zweifeln – mal wieder und wie immer.

Juden sollen nicht verschont werden

Lejeune geht übrigens noch weiter in seinem Video und verkündet, er habe die Hoffnung,  „das große Feuer in Israel“ (gemeint sind die Brände in Haifa und anderen Städten und Regionen) verschone die Palästinenser, also die Christen und die Muslime. Allerdings könne er sich „leider im Augenblick nicht wünschen, dass die Juden von diesem Feuer verschont werden, weil sie so unmenschlich umgehen mit den Palästinensern“.

Antizionismus – „Zweifel“ am Holocaust – Vernichtungsfantasien: Und an allem sollen die Juden schuld sein.

Gaza-Demo am Holocaust-Mahnmal

Lejeune hatte bereits im Sommer angekündigt, vor dem Holocaust-Mahnmal in Berlin an die „vergessenen Opfer“ von Gaza zu erinnern – hier zeichnete sich bereits ab, was Lejeune nun perfektioniert hat: die Instrumentalisierung des Holocaust.

Einen Ausweg aus diesem ideologischen Irrgarten gibt es offenbar nicht mehr. Heute postete Lejeune ein Video, in dem er behauptet, er werde politisch verfolgt in Deutschland und solle mundtot gemacht werden.

Populärer Nazi-Vergleich

Übrigens steht Lejeune mit seiner Weltsicht in Deutschland absolut nicht allein da: Wie die jüngste Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung feststellte, äußerten 40 % der Befragten im Jahr 2016 ihr Verständnis für die Ablehnung von Juden aufgrund der israelischen Politik.

Und  25 % der Bevölkerung ziehen demnach einen antisemitisch aufgeladenen Vergleich der israelischen Politik mit der der Nazis; in dieser Gleichsetzung Israels mit dem Nationalsozialismus, so schreiben die Forscher, offenbare sich die für den Antisemitismus typische Täter-Opfer-Umkehr.