Was haben der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt und der Mord an der neunjährigen Peggy K. miteinander zu tun? Am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens wurden DNA-Spuren von Böhnhardt gefunden. Einen Fehler im Labor schätzen Experten als eher unwahrscheinlich ein.

Dazu kommt, dass Neonazis aus Thüringen mehrmals an Delikten wie Menschenhandel und Kindesmissbrauch beteiligt gewesen sein sollen.

Auch wurde Böhnhardt bereits mit einem anderen Mord an einem Kind in Verbindung gebracht. Weiterhin wurden auf einem Rechner der NSU-Terroristen kinderpornographisches Material gefunden. Außerdem weisen die Ermittlungen der Polizei im NSU-Komplex sowie im Fall Peggy gewisse Ähnlichkeiten auf.

Im Jahr 2014 hatte ich dazu geschrieben:

Und dann ist da noch der Skandal um den Fall Peggy: Ein geistig behinderter Mann soll das perfekte Verbrechen begangen haben. Entlastungszeugen wurden eingeschüchtert, Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen einfach weggewischt. Der Beschuldigte, Ulvi K., wurde immer wieder stundenlang verhört, teilweise ohne anwaltliche Begleitung, bis er schließlich ein Geständnis ablegte, das sich wie die Hypothese der Ermittler las. Der Behinderte war’s. Das war kurz nach der Jahrtausendwende, genau zu der Zeit, als auch der NSU in Bayern wütete und fünf Menschen ermordete.

Leiter der Soko Peggy II sowie der Sonderkommission „Bosporus“ war übrigens jeweils Wolfgang Geier, der nun gleich zu zwei Fällen Stellung nehmen musste. Im Fall Peggy soll es der Behinderte (mit ausländisch klingendem Namen und türkischem Vater) gewesen sein, im NSU-Komplex die Ausländer selbst. Immer wieder wurden die Angehörigen der Opfer verhört und unter Druck gesetzt. Auch im Fall Peggy wurde in Richtung Türkei ermittelt. Keine Frage: Bei vielen Verbrechen finden sich die Täter im sozialen Nahbereich. Doch wenn es einfach keine Hinweise gibt auf Täter im Umfeld? Die Polizei hielt dennoch in beiden Fällen an ihren Hypothesen fest – und befragte Ulvi K. offenbar sogar nach der höchst umstrittenen Reid-Methode. Wie viele Fälle gibt es noch, in denen falsche Verdächtigungen zu erzwungenen Geständnissen führten?

Katharina König von der Linkspartei fordert nun, sämtliche DNA-Spuren aus Mordfällen an Kindern mit Migrationshintergrund mit denen der NSU-Terroristen abzugleichen.

Ob die neue Spur im Fall Peggy auch eine Rolle im NSU-Prozess spielen wird, ist noch unklar. Das Image der treudoofen Lise, das Zschäpes Verteidiger von ihrer Mandantin zeichnen wollen, wird nach den Hinweisen auf eine NSU-Beteiligung an Morden an Kindern allerdings noch unglaubwürdiger.

Weitere Informationen zur Reid-Methode:

Kleine Anfrage der SPD zur Ausbildung und Nutzung der REID-Methode durch bayerische Behörde

Antwort der Bundesregierung auf Fragen der Linksfraktion zur Nutzung der REID-Methoden durch Bundesbehörde

Ein Kommentar zu „Der NSU, Peggy und die Reid-Methode

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