Vom Netz auf die Straße: Starker Anstieg rechtsextremer Gewalt

Die aggressiven Reden bei den wöchentlich in Halle stattfindenden Montagsdemonstrationen sowie die Hetze gegen Flüchtlinge, zivilgesellschaftliche Akteure und Politiker in sozialen Netzwerken bereiteten den Boden für rechtsextreme Übergriffe, so Hahnel im Interview mit dem MDR: „Diese Hetze wird zumindest von Teilen der Gesellschaft und auch Teilen der Stadt so selbstverständlich angenommen, dass man auch sagt, ja klar, dann ist es doch auch der nächste Schritt nur, der ganz legitime Schritt, Menschen auch anzugreifen.“

In meinem Buch „Rechte Hetze im Netz“ heißt es dazu:

Facebook ist dabei zu einer Hauptzentrale des Hasses mutiert – und die Hetze bleibt längst nicht mehr beschränkt auf organisierte Rechtsextreme. Dies dokumentieren auch die Mitgliedszahlen von rassistischen Facebook-Gruppen. Im Februar 2016 waren mehr als 75.000 Nutzer in Facebook-Gruppen mit Namen wie „Nein zum Heim in XY“ organisiert; mehr als 130.000 in Gruppen, die nach dem Muster „XY wehrt sich“ benannt wurden – und die Seiten von „Pegida“, Legida und MVgida kamen auf mehr als 230.000 Nutzer.

Politische Gegner und geflüchtete Menschen werden im Netz dämonisiert und entmenschlicht, hier läuft eine dynamische Radikalisierung in Echtzeit ab. Durch gegenseitiges „Liken“ vernetzen sich Facebook-Gruppen, rechtsradikale Parteien und Seiten gegen Flüchtlingsunterkünfte untereinander. Eine Initiative „besorgter Bürger“ ist dadurch oft nur ein „Gefällt mir“ von handfesten Gewaltaufrufen entfernt.

Das Internet ist nicht die Ursache für Ressentiments. Aber es macht sie sichtbarer und kann offenkundig eine Radikalisierung in Gang setzen. Das Thema, das sich dafür am besten eignet, ist Propaganda gegen geflüchtete Menschen.

rechtehetze