Nach Anklam: Punk-Texte in der „Jungen Freiheit“

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Nach den deutlich positiven Reaktionen auf das #Marteria-Konzert in #Anklam schlägt die politische Rechte nun zurück. Die „Junge Freiheit“ nahm sich am 24. August die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ vor und zitiert genüsslich aus alten Angaben des Verfassungsschutzes, der der Band in seinem Bericht mehr Gewicht gab als beispielsweise dem Blood & Honour-Netzwerk oder anderen Neonazi-Organisationen in Mecklenburg-Vorpommern. Auch andere rechte Blogs sprangen darauf an, große Medien haben mittlerweile nachgezogen.

Bereits 2012 hatte ich die VS-Angaben, die jetzt wieder aufgewärmt werden, versucht zu verifizieren – mit mäßigem Erfolg. Die angeblichen politischen Straftaten der Band konnte der VS damals offenbar noch nicht einmal benennen. Hier der Artikel von damals:

Komplett im Visier des Verfassungsschutzes (13. Oktober 2012)

Im Folgenden versuchten Rechtsextreme damals, den Erfolg der Band durch Kampagnen zu behindern; beispielsweise sollte man bei MediaMarkt einfordern, dass die CDs von Feine Sahne Fischfilet aus dem Sortiment genommen werden. Nazis als Kämpfer gegen Extremismus. Darüber habe ich damals auch berichtet:

Kampagne gegen Fischfilets (13. Dezember 2012)

Mehrere Jahre später, nämlich jetzt, greifen Junge Freiheit und Sezession die fragwürdigen Angaben des VS wieder auf. Das war zu erwarten, vor allem, da sie damit wieder gegen Justiz- und Twitterminister Maas zu Felde ziehen können, der das Konzert in Anklam gelobt hat.

Zu erwarten war ebenfalls, dass der digitale rechte Mob wieder in Kommentarspalten wüten würde. Weniger zu erwarten war, dass beispielsweise in Süddeutscher Zeitung oder Bild ähnliche Artikel erscheinen, wie in der Jungen Freiheit zuvor.

Nun ist nicht mehr das Thema, dass Marteria und Campino in Anklam ein legendäres Konzert gegeben haben und wie man solche Erfolge für eine bunte und tolerante Gesellschaft verstetigen könnte, sondern es geht um alte Texte einer Punkband. Texte, die man selbstverständlich sowie mit Fug und Recht kritisieren kann, die aber wenig bis gar nichts mit dem Marteria-Konzert in Anklam und der Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ zu tun haben.

Zudem könnte sich der nun so echauffierte Teil der Öffentlichkeit vielleicht einmal fragen, warum in Ostvorpommern eine Punkband derzeit mehr auf die Beine stellen kann, als alle demokratischen Akteure zusammen. Doch darum geht es diesen Leuten nicht, sie interessieren sich sonst auch kein Stück für die aktuelle Kampagne gegen den Rechtsruck und für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern. Es geht ihnen darum, ihr eigenes politisches Süppchen zu kochen und ihre Gegner zu attackieren. Die Stichhaltigkeit der eigenen Quellen spielt dabei offenkundig keine große Rolle, sonst hätte man die VS-Angaben zumindest einmal oberflächlich überprüft oder die Band um eine Stellungnahme gebeten.

So läuft das. Umso wichtiger daran zu erinnern, wovon Junge Freiheit und andere ablenken wollen – und das sieht so aus:

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