In Schweden haben Journalisten ein Ferienlager von deutschen Rechtsextremen aufgespürt. Wie die Zeitung „Der Express“ sowie das Recherchemagazin Expo berichten, sei das Camp vom „Sturmvogel“ organisiert worden. Etwa 40 Kinder im Schulalter sollen dort gedrillt worden sein.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rechtsextremen suchen die Hinterleute des „Sturmvogels“ nicht die Öffentlichkeit, sondern agieren eher im Verborgenen. In dem Feriencamp in Schweden, über das nun Medien berichten, soll die völkische Organisation Kinder und Jugendliche drillen. Expo schreibt von körperlichen Übungen, Uniformen und Fahnenappellen. Die jüngsten Kinder seien knapp im Schulalter, die ältesten bereits Jugendliche 15 bis 16 Jahre.

Video beim Express

Das Lager befindet sich in Småland – eine Provinz in Südschweden. Auf dem Gelände parkten mehrere Autos mit deutschen Kennzeichen, berichten schwedische Medien. Expo veröffentlichte zudem Bilder, die das Sommerlager zeigen.

Abspaltung der „Wiking Jugend“

Neonazis brächten ihre Kinder immer wieder zu geheimen Lagern des völkischen „Sturmvogels“, berichtete Andrea Röpke. Wenig sei bekannt über die Gruppe, die sich einst von der  „Wiking Jugend“  abspaltete.

screenshot4

Die „Sturmvögel“ bezeichneten sich demnach in der Vergangenheit als „volkstreu eingestellte Deutsche“, die die Kameradschaft von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren fördern und Eltern bei der Erziehung zur Seite stehen wollten. Fahrten der Gruppen führten nach „Westpreußen“, „Südtirol“, in das Elsass oder nach „Siebenbürgen“. Der Jugendbund war angetreten, um das „große deutsche Kulturerbe“ zu bewahren. Zöglinge lernen Runenschrift, geben den Monaten germanische Namen. Gesungen werden in diesen Kreisen Lieder wie eines von Falko Stegmann mit Zeilen, die lauten: „Es herrscht im Land die kranke Macht, das Wachstum der Geschwüre. So grabet Euch den eigenen Schacht, der Kinder Aug ist Türe. (…) und schmettern die Ketten der Mächte entzwei, der Wille der Tat, der macht uns frei.“

Anders als die verbotene HDJ sind die „Sturmvögel“ um unauffällige Außenwirkung bemüht. Kinder und Jugendliche sollen sich nebenher beim Roten Kreuz oder in Feuerwehren engagieren, hieß es intern.

Die meisten Angehörigen des „Sturmvogels“ stammen laut Röpkes Recherchen aus „Sippen“, deren ältere Mitglieder noch die soldatische Erziehung der 1994 verbotenen „Wiking Jugend“ mitbekommen haben. Die WJ erzog den Nachwuchs offen militant und im Sinne des Nationalsozialismus, der „Sturmvogel“ wählte einen gemäßigteren Weg, doch die Organisation scheut den Kontakt zu Neonazis nicht.

Sommerlager beendet

Der schwedische „Express“ berichtet, mittlerweile seien die Kinder aus dem Sommerlager wieder abgereist.