Leipziger AfD-Anhänger droht mit Anschlägen

Wie sicher sich Rechtsradikale, in einigen Medien als „Asylkritiker“ verharmlost, derzeit fühlen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Sachsen. Ein Leipziger AfD-Anhänger droht auf Facebook offen mit Sprengstoffanschlägen und bewaffneten Aktionen gegen Flüchtlinge und politische Gegner. Wie ernst sind solche Drohungen zu nehmen?

Ronny H. scheint der Prototyp eines Rechtsradikalen im 21. Jahrhundert zu sein: Seine Profile bei Facebook und VK werden von Propaganda gegen Flüchtlinge und unliebsame Politiker beherrscht. Seine Quellen: Junge Freiheit, russische Medien, Kopp-Verlag, usw.

Bei VK, dessen Bedeutung für die extreme Rechte in Europa bislang vollkommen unterschätzt wird, hat sich H. Gruppen wie „Das völkische Auge“, INFOKRIEG, RT Deutsch, Alternative für Deutschland AfD und dem „Bündnis Deutschland Russland“ angeschlossen. Aus seinen Kommentaren, Fotos und Videos geht hervor, dass H. rechtsradikale Demonstrationen besucht und zumindest Anhänger der AfD ist. Er besuchte ein Abendgymnasium in Leipzig – das Klischee des vertrottelten Rechtsradikalen passt auch hier nicht.

Einer von Tausenden?

Profile wie das von H. findet man zu Hunderten oder eher Tausenden: ein rechtsradikaler Mann mit hohem Sendungsbewusstsein, der viel zu viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringt und der seine Radikalisierung hier genau dokumentiert hat; diese lässt sich praktisch live verfolgen.

H. ist also keineswegs ein Einzelfall, genau deswegen sollte man seine jüngsten Einträge durchaus ernst nehmen, denn Ronny H. meint, es sei die Zeit gekommen, um zu handeln, wie er nun verkündet.

[SCM]actwin,0,0,0,0;http://Chrome Legacy Window (30) Ronny Heinemann - Google Chrome chrome 20.02.2016 , 17:43:31
Zeit zum Handeln, Screenshot bei Facebook vom 20. Februar 2016

In einem weiteren Eintrag vom 20. Januar 2016 droht H. offen mit Sprengstoffanschlägen:

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„Habe meine Mittel.“ Screenshot vom 20.02.2016

H. will offenkundig provozieren, den Staat herausfordern und seine angebliche Handlungsfähigkeit beweisen – auch wenn die meisten seiner Einträge keine Reaktionen von seinen Freunden nach sich ziehen. Ob dieser Mann nun tatsächlich losschlägt, erscheint eher unwahrscheinlich, auf den ersten Blick wirkt es wie Verbalradikalismus und Kraftmeierei.

Doch wie viele andere Rechtsradikale, die sich ihre Propaganda aus den beschriebenen Quellen holen und in diesem AfD-Pegida-Milieu politisch beheimatet sind, meinen ebenfalls, nun sei die Zeit zum Handeln gekommen? Wie viele lassen auch tatsächlich Taten folgen?

NSU, Breivik, Reker-Attentat

In den 1990er Jahren setzten sich Neonazis in den Rechtsterrorismus ab, der NSU ist nur der bekannteste militante Ableger. Rund 20 Jahre später bläst eine neue nationalistische Bewegung zum Sturm auf parlamentarische Demokratie, Grundrechte und Minderheiten; eine Bewegung, die deutlich weniger subkulturell geprägt auftritt und weit mehr Menschen erreicht.

Angesichts des Hasses und der gewalttätigen Sprache in dieser Bewegung erscheint es beinahe abwegig, dass sich keine neuen militanten Strukturen bilden. Die dramatischen Zahlen zu den Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte belegen bereits das massive Gewaltpotenzial, welches immer wieder aus dem Milieu der „besorgten Bürger“ – die „Wir sind das Volk“ skandieren und damit meinen: „Wir wollen alles total und ohne Widerspruch sowie Kompromisse durchsetzen“ – ausbricht. Die Gewalt bleibt ein fester Teil dieser Bewegung mit der kriegerischen Ideologie.

Männer wie H., die täglich viele Stunden allein vor dem Rechner sitzen, um sich vom eigenen Newsstream – übrigens der neue Mainstream – immer wieder Bestätigung für die eigene Weltsicht liefern zu lassen, sind potenzielle Kandidaten für Lone-Wolf-Attacken, wie es sie beim Angriff auf die Kölner Politikerin Henriette Reker bereits gegeben hat. Diese Gefahr wurde bereits bei der ersten großen Welle des Hasses im Netz unterschätzt; Anders Breivik demonstrierte vor fünf Jahren, warum es lebensgefährlich ist, die dynamische Radikalisierung von Tausenden Fanatikern zu übersehen oder als Sorgen zu verharmlosen. Diese Geschichte wiederholt sich nicht, sie setzt sich schlicht fort.

Im Juni erscheint mein Buch über „Rechte Hetze im Netz“ im Rowohlt-Verlag. Weitere Informationen hier.

9 Kommentare zu „Leipziger AfD-Anhänger droht mit Anschlägen

  1. Da werden doch nicht führende Personen aus dieser Partei einen kleinen Beitrag geleistet haben als sie kürzlich davon fabulierten, dass man auf Flüchtlinge, auf Kinder gar, schießen dürfe ?

    An deren Adresse:
    Hass beeinträchtigt die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen.

    Jede Katastrophe der Entmenschlichung in der Geschichte beginnt mit der Entmenschlichung der Sprache.

    Amos Oz — im NZZ-Interview vom 18.3.2015

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  2. ZDF-Chat Moderatoren tolerieren hetzerische und rassistische Kommentare bei Maybrit Illner

    Der moderierte Chat des ZDF ist zu 90% mit Kommentaren versehen, die islamophobe, beleidigende, rassistische und hetzerische Meinungen abbilden. Es werden Statements von der Moderation abgesegnet, in denen die Abschaffung, bzw. Einschränkung von verfassungsrechtlich garantierten Grundrechten wie der Religionsfreiheit und dem Asylrecht, gefordert werden.

    https://machtelite.wordpress.com/2015/12/10/zdf-chat-moderatoren-tolerieren-hetzerische-und-rassistische-kommentare-bei-maybritt-illner/

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  3. Danke Patrick.
    Habe die letzten Tage mehrere Posts von dem Männlein an facebook als „Aufruf zur Gewalt“ zur Überprüfung gemeldet. Jedes Mal das übliche „wir finden keinen Grund zur Beanstandung“ – auch bei obigem von Dir gezeigtem Post, der an Klarheit in Wort und Bild doch kaum zu überbieten ist.

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