Wo sind unsere Mitschüler?

In Hamburg wehren sich Schülerinnen und Schüler immer wieder gegen Abschiebungen von Mitschülern. In den vergangenen Monaten hat das Thema offenkundig noch einmal eine neue Dimension erreicht: Immer wieder höre ich von Bekannten, die als Lehrer oder Sozialarbeiter tätig sind, dass Kinder plötzlich nicht mehr da sind.

DownloadAn der Stadtteilschule am Hafen haben Schülerinnen und Schüler heute Morgen gegen die Abschiebungen demonstriert. Sie fragen: Wo sind unsere Mitschüler?

In einer Pressemitteilung schreibt das Schülersprecherteam der Stadtteilschule am Hafen, in den vergangenen Tagen, Wochen, Monaten seien auf den Schulbänken Plätze leer geblieben. Spinde, Fächer und Schränke, in denen zurückgelassene Sachen liegen, blieben als traurige Erinnerungen. Tagelang gehe man in der Erwartung zur Schule, dass man diese Mitschüler_innen am nächsten Tag doch wiedersehe.

„Unsere Mitschüler_innen werden abgeschoben. Immer wieder erfahren wir viel zu spät: Sie werden mit Eltern und Geschwistern nachts aus dem Schlaf gerissen, aus ihrem Zuhause geholt und zum Flughafen gefahren.“

Kinderrechte?

Es dürfe nicht sein, dass behördliches Handeln und die geltenden Asylrechtsgesetze höheren Stellenwert haben, als die Kinderrechte. Diese würden mit Füßen getreten. „Das ist unmenschlich!“ Die Schüler fordern,  dass die Einführung und Anerkennung der Kinderrechtskonvention Recht des Kindes auf Bildung nach Artikel 13 des UN-Sozialpaktes für JEDE_N gelte!

Im vergangenen Jahr sind etwa 21.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben worden, wie viele Kinder darunter waren, ist nicht bekannt. Selbst wenn Kinder in Deutschland geboren wurden, droht ihnen noch die Abschiebung, so wie es jüngst ein Gericht in Göttingen im Fall einer Roma-Familie entschieden hat.

Wo sind unsere Mitschüler?, fragen die jungen Hamburgerinnen und Hamburger. Und ich frage mich: Wo sind eigentlich diejenigen, die sonst so abendländisch-besorgt tun um die Rechte der Kinder oder das Wohl der Familie?