Olympia 2024: Plumper Pathos an der Waterkant

hh_2024_dgne_farbigOlympa und Hamburg: Der plumpe Pathos der Pro-Kampagnen war meiner Meinung nach ausschlaggebend für das Ergebnis. Den Zweiten Weltkrieg gab`s auch „nur einmal“, war trotzdem nicht so endgeil.

Stattdessen hätte es einen Schuss trockenen Humors bedurft, dazu ein bisschen hanseatisches Understatement – und 60% der Hamburger hätten ohne Bedenken für Olympia gestimmt; das fehlende Geld hätte man zur Not auf dem Blankeneser Wochenmarkt gesammelt.

Es gibt handfeste Gründe für ein internationales Großereignis, um Hamburg aus seiner Piefigkeit zu holen – aber auch gute Argumente dagegen, nämlich beispielsweise das IOC sowie die unklare Finanzierung. Wobei es schon etwas ulkig ist, dass gerade Leute, die sonst gerne staatliche Investitionen fordern (ich sach mal: Unser Hamburg, unser Netz – erinnert sich noch jemand?), jetzt die Hüter der Schwarzen Null spielen.

Fragwürdig bleibt für mich das Instrument des Volksentscheids: Die Folgen der Kampagne gegen die Schulreform beispielsweise müssen heute die jungen Hamburgerinnen und Hamburger ausbaden. Wozu gibt es  Parlamente, in denen verschiedene Parteien Kompromisse hart erkämpfen?  Auch der Kauf der Energienetze (wieder „Unser Hamburg, unser Netz“) kostet die Stadt Hunderte Millionen Euro. Und nun kommt nicht mit dem Argument, das sei eine Investition in die Zukunft, das kann man nämlich auch für Olympia behaupten.

Übrigens: Ich hatte bereits vor Monaten als Kampagne für Olympia in Hamburg die Slogans „IOC, spinn` nicht rum, schenk ein!“ (im Video ab 1`35) oder auch „Du fährst nach Hamburg, ich schwörs Dir, IOC“ (ab 5`30) vorgeschlagen. Damit hätte es geklappt. Aber auf mich hört ja wieder keiner. Vielleicht auch besser so.